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Mystery and Crime Kabel, Walther: Harald Harst (324) - Der Fensterspiegel. V1.0 [German] 24.06.2026

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Der Fensterspiegel der Plättmamsell

Der dreizehnte September hatte gerade begonnen, es war kurz nach Mitternacht … Über die westlichen Vororte Berlins zog ein Gewitter hin, der Himmel war pechschwarz, das ferne Leuchten einzelner Blitze drang nicht bis in die Aladinstraße hinein, deren neue Häuserreihen das Allerödeste an schnell aufgepusteten Zweckbauten darstellten.

Monatelang hatten wir diese Gegend nicht besucht, obwohl sie uns sehr nahe lag und dort Mamsell Louise Zarnecke, Glanzplätterei, auch unsere Oberhemden und Kragen in Arbeit nahm und wir mit der noch immer recht ansehnlichen Fünfzigerin so manchen kurzen Plausch gehalten hatten.

Daß Harst mich gegen halb zwölf so ganz unerwartet zu einem Spaziergang aufgefordert hatte, kam mir völlig überraschend. Unterwegs sagte er nur: »Die Zarnecke ist weg, verreist … Sie hat ihr Geschäft aufgegeben. — So erzählte mir unsere Mathilde heute abend. Der Erbbauverein »Eigenes Heim«, der dort die Aladinstraße auf vorjähriges Ackerland hingezaubert hat, ließ auch eine Dampfwäscherei am Anfang der Straße errichten, um die Zarnecke … abzuwürgen, die ihr kleines Grundstück den üblen Spekulanten nicht hingab. Nun haben die Herren sie aus Rache eingemauert, und ein wahrlich geschmackloser Narr, der wohl die Märchen aus tausend und eine Nacht kannte, verlieh dieser Zuchthausgasse den Namen Aladinstraße nach »Aladins Wunderlampe«. In der Tat, man wundert sich über gar nichts mehr.«

Die Dampfwäscherei Aladin.

Nach fünf Tagen durfte ich zum ersten Male wieder aufstehen. Harald war glimpflicher weggekommen.

Dazwischen hatte er mir das wenige längst erzählt, was er wußte und was nur ein ganz kleiner Kreis von Eingeweihten als gefährliches Geheimnis mit uns hütete.

In der stockfinsteren Nacht draußen zwischen den verrosteten Drahtgittern der Bauparzellen, zwischen regentriefendem Unkraut und den häßlichen privaten Müllabladestellen der benachbarten Bewohner hatte sich der Tod an uns herangeschlichen, der unheimliche Quallentod, der vor nichts zurückschreckende Schütze mit dem Bambusspazierstock, einer Waffe, deren Besonderheiten man nur erraten konnte.

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