Der hellblaue Dominostein
Das Fräulein Sieglinde Ribbnig saß auf dem Brunnenrand des Dorfangers und sang für die barfüßigen flachsblonden Rangen Lieder mit Mandolinenbegleitung. Sie bot im Abendsonnenschein des Junitages ein hübsches Bild dar, und die mißbilligenden Blicke der meisten Gäste des Gartens »Zum roten Roß« prallten an der junge Dame ohne jeden Eindruck ab
Am Nebentische sagte ein dicker Herr sehr laut:
»Unerhört!! Und morgen wird das Familiengut versteigert! Wie kann sie nur!«
Ein jüngerer Herr am dritten Tisch musterte den Dicken scharf und kalt, und der Wirt vom Roten Roß, der uns gerade bediente, tuschelte uns zu: »Das war der andere Ribbnig, der von der pommerschen Linie, aber sie stehen miteinander wie Hund und Katz.«
Gerd Hartungs Gattin
Die Frau lag auf dem Diwan, das dunkle, gewellte Haar war ihr in die Stirn geglitten, ihr stark gepudertes Gesicht mit den nachgemalten Lippen und dem eigenwilligen kecken Näschen hatte viel Verlockendes an sich, zeigte aber auch die Merkmale eines sehr unausgeglichenen Charakters. Das Kinn war zu schwach entwickelt, die Backenknochen standen etwas vor, die Augen lagen schräg, und die wegrasierten, nur getuschten dünnen Striche als Augenbrauen verliehen den an sich wohl pikanten Zügen etwas Maskenhaftes. Und es blieb auch so, als sie nach kurzer Ohnmacht wieder auf dem Diwan zu sich kam und sich blitzartig ihrer peinlichen Lage bewußt wurde. Der Ausdruck der dunklen Augen verriet tiefes Erschrecken, die Pupillen weiteten sich, und ihr lebhafter Blick musterte uns mit banger, stummer Frage.
Wir waren ihr fremd, sie wußte nicht, mit wem sie es zu tun hatte, und schon dies gestattete allerlei wertvolle Schlüsse.
»Fühlen Sie sich besser?«, fragte Harald liebenswürdig. »Wir bedauern es sehr, Sie so erschreckt zu haben, Frau Hartung «
Der Text wurde mir von Thom zur Verfügung gestellt, vielen Dank!
Das Fräulein Sieglinde Ribbnig saß auf dem Brunnenrand des Dorfangers und sang für die barfüßigen flachsblonden Rangen Lieder mit Mandolinenbegleitung. Sie bot im Abendsonnenschein des Junitages ein hübsches Bild dar, und die mißbilligenden Blicke der meisten Gäste des Gartens »Zum roten Roß« prallten an der junge Dame ohne jeden Eindruck ab
Am Nebentische sagte ein dicker Herr sehr laut:
»Unerhört!! Und morgen wird das Familiengut versteigert! Wie kann sie nur!«
Ein jüngerer Herr am dritten Tisch musterte den Dicken scharf und kalt, und der Wirt vom Roten Roß, der uns gerade bediente, tuschelte uns zu: »Das war der andere Ribbnig, der von der pommerschen Linie, aber sie stehen miteinander wie Hund und Katz.«
Gerd Hartungs Gattin
Die Frau lag auf dem Diwan, das dunkle, gewellte Haar war ihr in die Stirn geglitten, ihr stark gepudertes Gesicht mit den nachgemalten Lippen und dem eigenwilligen kecken Näschen hatte viel Verlockendes an sich, zeigte aber auch die Merkmale eines sehr unausgeglichenen Charakters. Das Kinn war zu schwach entwickelt, die Backenknochen standen etwas vor, die Augen lagen schräg, und die wegrasierten, nur getuschten dünnen Striche als Augenbrauen verliehen den an sich wohl pikanten Zügen etwas Maskenhaftes. Und es blieb auch so, als sie nach kurzer Ohnmacht wieder auf dem Diwan zu sich kam und sich blitzartig ihrer peinlichen Lage bewußt wurde. Der Ausdruck der dunklen Augen verriet tiefes Erschrecken, die Pupillen weiteten sich, und ihr lebhafter Blick musterte uns mit banger, stummer Frage.
Wir waren ihr fremd, sie wußte nicht, mit wem sie es zu tun hatte, und schon dies gestattete allerlei wertvolle Schlüsse.
»Fühlen Sie sich besser?«, fragte Harald liebenswürdig. »Wir bedauern es sehr, Sie so erschreckt zu haben, Frau Hartung «
Der Text wurde mir von Thom zur Verfügung gestellt, vielen Dank!









