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Mystery and Crime Kabel, Walther: Harald Harst (320) - Der Klub der Orchideen. V1.0 [German] 02.05.2026

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Der Klub der Orchideen

In der Nacht vom 2. zum 3. Dezember hatte ein Schneesturm nach jähem Temperatursturz bis gegen drei Uhr morgens mit solcher Kraft getobt, daß das Heulen der Windstöße und das Knarren und Krachen unserer froststarren Buchen und Kastanien mich immer wieder aufweckte. Ich hatte des öfteren die Nachttischlampe eingeschaltet und fühlte mich wiederholt versucht, überhaupt aufzustehen und zu Harst hinüberzugehen, der um Mitternacht, als wir uns trennten, noch in seinem Klubsessel am Kamin sitzen geblieben war und neben sich auf einem Stuhle ganze Stöße von Reisebeschreibungen berühmter Forscher aufgehäuft hatte. — Morgens lag unser Vorort unter weißer Winterdecke, die Sonne strahlte, kein Lüftchen regte sich mehr, und Harst behauptete mit eiserner Stirn, wie ein Murmeltier geschlafen zu haben.

»Nur merkwürdig,« sagte ich beim Frühstück etwas ironisch und mißtrauisch, »daß die Sohlen und das Oberleder deiner Skistiefel völlig durchnäßt sind. Ich habe mir erlaubt, einen Blick in deinen Schuhschrank zu werfen. — Wo warst du bei dem Hundewetter?«

»In Bhutan, mein Alter …« Er deutete auf einen aufgeschlagenen dicken Schmöker, und ich sah, daß ein schlecht koloriertes Bild beide Seiten ausfüllte: Männer mit sonderbaren flachen Hüten, braunen, bärtigen Gesichtern, dann Darstellungen von Tempeln, Bäumen, Blumen und Tieren.

Hundert Jahre zurück …

Baron Günther von Stock war ein Mann unbestimmbaren Alters. Tatsächlich zählte er vierzig Jahre, und zehn davon hatte er sich in den Tropen umhergetrieben, bis eben das Ende Weltkrieges auch ihn mit einem bescheidenen Rest seines Vermögens nach Berlin flüchtet ließ.

Stocks hagere, lange Gestalt, straff, kraftvoll, verdankte ihre nachlässige Eleganz nicht nur einem erstklassigen Schneider. Ein einziger Blick in dieses bartlose, ausdruckslose, gesunde Gesicht, in dem das randlose Monokel das flimmernde Leben trügerisch widerzuspiegeln schien, genügte vollauf, um den ganzen Mann zu entlarven: Eine Eisennatur, kalt, rücksichtslos, beherrscht, ohne Nerven!

Er schenkte der Leiche nur einen flüchtigen Blick und setzte sich dann ohne Aufforderung an einen Nebentisch. »Sie wünschen, meine Herren?« Die Stimme hatte Klang und hatte auch keinen Klang, sie war wie dieses Antlitz: ohne Ausdruck!

Der Text wurde mir von Thom zur Verfügung gestellt, vielen Dank!

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