Eduard Mörike wurde (und wird) gern als Inbegriff des deutschen ›Biedermeier‹ hingestellt. Ich will gar nicht anfangen von der berückenden Hinter-, Unter- und Abgründigkeit der Charaktere in seinem umfangreichen Roman "Maler Nolten", sondern nur ein paar Strophen aus seinem lyrischen Werk zitieren:
[aus: Die schlimme Greth und der Königssohn. 1828/37. — Später heißt es:]
Oder schaut euch "Liebesvorzeichen" (1828) an:
Soviel zur Schublade "Biedermeier".
Eduard Mörikes Werk ist formal (Lyrik, Versepos, Roman, Novelle, Märchen, ja sogar ein Opernlibretto gibt es) wie thematisch abwechslungsreich; im Bereich der Lyrik hat er "einen entscheidenden Beitrag geleistet" – "Maler Nolten" - "Mozart auf der Reise nach Prag" … — aber das muss ich euch ja alles gar nicht erzählen — — es wurde halt Zeit für eine digitale Gesamtausgabe, an die mehr als 2300 Druckseiten verfüttert wurden. — Möge es ihr wohl bekommen sein!
Die Standard-Ausgabe enthält dezente Seitenziffern entsprechend den jeweiligen Quellen; wen das stört: es gibt auch wieder eine Leseratten-Edition (_np). - Das Cover zeigt den jungen Mörike (nach der Bleistift-Zeichnung von Johann Georg Schreiner, 1824). Ich habe mich für dieses Bild entschieden, weil das Werk dieses Dichters ganz wesentlich in seiner Jugend entstand oder doch in dieser wurzelt.
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* Man sollte vielleicht vorsichtshalber erwähnen, dass "blöde" damals keinen insuffizienten Geisteszustand bezeichnet, sondern s.v.w. "verlegen", "schüchtern" bedeutet.
Da ging es an ein Küssen,
Er kriegt nicht satt an ihr;
Fürwahr ihr güldner Gürtel wär’
Zu Schaden kommen schier.
Er kriegt nicht satt an ihr;
Fürwahr ihr güldner Gürtel wär’
Zu Schaden kommen schier.
[aus: Die schlimme Greth und der Königssohn. 1828/37. — Später heißt es:]
Sie drückt ihn an die Brüste,
Der Athem wird ihm schwer;
Sie heult ein grausiges Todtenlied,
Und wirft ihn in das Meer.
Der Athem wird ihm schwer;
Sie heult ein grausiges Todtenlied,
Und wirft ihn in das Meer.
Oder schaut euch "Liebesvorzeichen" (1828) an:
Dazwischen dacht’ ich wohl im Stillen:
Was hast du vor? sie ist ein Kind!
Die Lippen, die von Reife quillen,
Wie blöde* noch und fromm gesinnt!
Fürwahr, sie schien es nicht zu wissen,
Wie mächtig ihr die Fülle schwoll,
Und daß sie in den Feuerküssen
Des kecksten Knaben brennen soll.
Was hast du vor? sie ist ein Kind!
Die Lippen, die von Reife quillen,
Wie blöde* noch und fromm gesinnt!
Fürwahr, sie schien es nicht zu wissen,
Wie mächtig ihr die Fülle schwoll,
Und daß sie in den Feuerküssen
Des kecksten Knaben brennen soll.
Soviel zur Schublade "Biedermeier".
Eduard Mörikes Werk ist formal (Lyrik, Versepos, Roman, Novelle, Märchen, ja sogar ein Opernlibretto gibt es) wie thematisch abwechslungsreich; im Bereich der Lyrik hat er "einen entscheidenden Beitrag geleistet" – "Maler Nolten" - "Mozart auf der Reise nach Prag" … — aber das muss ich euch ja alles gar nicht erzählen — — es wurde halt Zeit für eine digitale Gesamtausgabe, an die mehr als 2300 Druckseiten verfüttert wurden. — Möge es ihr wohl bekommen sein!
Spoiler:
Die Standard-Ausgabe enthält dezente Seitenziffern entsprechend den jeweiligen Quellen; wen das stört: es gibt auch wieder eine Leseratten-Edition (_np). - Das Cover zeigt den jungen Mörike (nach der Bleistift-Zeichnung von Johann Georg Schreiner, 1824). Ich habe mich für dieses Bild entschieden, weil das Werk dieses Dichters ganz wesentlich in seiner Jugend entstand oder doch in dieser wurzelt.
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* Man sollte vielleicht vorsichtshalber erwähnen, dass "blöde" damals keinen insuffizienten Geisteszustand bezeichnet, sondern s.v.w. "verlegen", "schüchtern" bedeutet.






